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Dramatische Komödie

Leben ohne Chris

Wer heult an meinem Grab?

Du liegst im Sarg. Vermisst dich jemand oder sind alle froh, dass deine neue Heimat der Friedhof ist? Genau diese Frage beantwortet das neue Musical von Wolfgang Böhmer (Musik) und Peter Lund (Text). Mit der zehnten Koproduktion zwischen der Neuköllner Oper und dem Studiengang Musical/Show an der Berliner Universität der Künste (UdK) ist ein großer Wurf gelungen.
Premiere:02.04.2009
Letzte bekannte Aufführung:04.06.2010

Endstation Kastanie. Im Vollrausch kann Chris (Christopher Brose) ihr auf dem Motorroller nicht mehr ausweichen und kollidiert frontal mit dem Baumstamm. Am Tag seiner Volljährigkeit ist Schluss mit dem Leben auf der Überholspur. Chris, der sich als von allen bewunderten Macher und Macker in seiner Clique sieht, ist Geschichte.

Peter Lund (Text und Regie) baut diese tragische Ausgangssituation mit einem genialen Trick zu einem bittersüßen Musical-Spaß aus. Bevor der tote Titelheld im Finale durch eine sich öffnende Tür in ein helles Licht verschwinden darf, muss er mit Michael (Tobias Bieri) sein Leben aufarbeiten. Michael ist kein Mensch aus Fleisch und Blut, sondern ein moderner Engel, der per Laptop sowohl Szenen aus der Vergangenheit auf die Bühne holt als auch die Trauernden in der Gegenwart belauscht und Chris sogar die Zukunft seiner Freunde vorführen kann. Mit viel Ironie stochert Lund genussvoll in einem Beziehungsgeflecht junger Menschen herum und deckt mit seiner unterhaltsamen, nicht einen Moment durchhängenden Inszenierung schadenfroh so manche Lebenslüge auf.

"Als ich klein war, wünschte ich mir, dass Chris tot ist", sagt zum Beispiel Matze (Sebastian Alexander Stipp), der ganz das Gegenteil seines großen Bruders ist und von diesem verächtlich "Teiggesicht" genannt wird. Dabei bewundert der zum Schwächling Degradierte seinen Peiniger. "Muss toll sein, du zu sein" singt Matze und streift sich dazu Chris‘ Lederjacke über. Da weiß er allerdings noch nicht, dass sich sein Idol zu Lebzeiten an seine Freundin Lisa (Magdalena Ganter) herangemacht hat. Die selbstbewusste Umweltaktivistin beichtet ihm später den Seitensprung, allerdings ist sie nicht die einzige, mit der Chris seine eigene, ihm treu ergebene Freundin Anna (Julia Gámez Martin) hintergeht. An seinem Geburtstag legt er die attraktive Nadja (Karoline Goebel) flach, die heimlich von Chris‘ bestem Kumpel Henne (Hendrik Schall) begehrt wird. Der ersäuft sein Versagen beim anderen Geschlecht gemeinsam mit Danny (Dennis Jankowiak), wobei beide nach einem Kuss resigniert feststellen, dass auch der ihre Probleme nicht löst. Ihre Chance zum Ausbruch aus ihrem bisherigen, biederen Dasein nutzt hingegen Chris‘ ältere Schwester Birgit (Katrin Höft), indem sie ihre Topfpflanze einpackt und einfach geht.

"Er hat uns alle belogen und wir alle haben uns belügen lassen" resümiert Manu (Jasmin Schulz) zum Ende der Show. Mit "Denn wir leben" hat Komponist Wolfgang Böhmer dieser Figur einen der schönsten Songs des gesamten Stücks geschrieben. In seiner ansonsten sehr rock-dominierten Partitur ist für jeden Darsteller mindestens ein Solo-Song enthalten. Seine musikalische Ausdrucksvielfalt unterstreicht Böhmer in der Beerdigungsszene, bei der sich ein getragener Choral zu einem spritzigen Geburtstagssong für die plötzlich hereinbrechende Rückblende zur Geburtstagsparty entwickelt. Ulrike Reinhards schräg in den Raum gestellter nach links ansteigender, weißer Bühnensteg ermöglicht ideal alle schnellen Wechsel zwischen den Zeitebenen und Handlungsorten. Am linken hinteren Bühnenrand steht ein Baumstamm vor dem ein Motorrad schwebt. Unter einem schwarzen Gaze-Vorhang sitzt davor die kleine, unter der musikalischen Leitung von Hans-Peter Kirchberg spielende Band.

Auch wenn es ungerecht ist, einzelne Darsteller aus diesem in Spiel, Tanz und Gesang hochklassigen, sehr homogen wirkenden Ensemble herauszustellen, ragt einer rein vorlagenbedingt heraus. Als Gegenpol zu all den realistisch angelegten jungen Leuten von heute hat Tobias Bieri als androgyn wirkender Engel einen Vorteil, den er beeindruckend auskostet. Bleich geschminkt, nur mit einer ungewöhnlichen Hosenträger-Stoff-Konstruktion bekleidet (Kostüme: Claudio Aguirre, Andrea Schmidt), tollt er geschmeidig wie eine Raubkatze über die Bühne und lässt offen, wie viel Teufelchen in seiner Kunstfigur steckt.

Wer dieses mitreißende Musical mit den fabelhaften UdK-Studenten des Abschluss-Jahrgangs gesehen hat, der kann sich ein Leben ohne diese Show schwer vorstellen. Auf die nächsten zehn Jahre dieser fruchtbaren Kooperation zwischen Hochschule und Neuköllner Oper!



Musical von Wolfgang Böhmer (Musik) und Peter Lund (Text)

Musikalische Leitung: Hans-Peter Kirchberg/ Andreas Altenhof

Inszenierung: Peter Lund

Choreografie: Neva Howard

Bühnenbild: Ulrike Reinhard

Kostüme: Claudio Aguirre/ Andrea Schmidt



Besetzung:

Michael - Tobias Bieri

Chris - Christopher Brose

Anna - Julia Gámez Martin

Lisa - Magdalena Ganter

Nadja - Karoline Goebel

Birgit - Katrin Höft

Danny - Dennis Jankowiak

Henne - Hendrik Schall / Stefan Rüh

Manu - Jasmin Schulz

Matze - Sebastian Alexander Stipp



Band

Keyboard: Andreas Weise/ Peer Neumann

Drums: Kai Schoenburg/ Michael Kersting

Gitarre I: Johannes Gehlmann/ Michael Brandt

Gitarre II: Hossein Yaceri

Bass: Carsten Schmelzer/ Adam Lenox

(Text: kw)




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Zuschauer-Rezensionen

Die hier wiedergegebenen Bewertungen sind Meinungen einzelner Zuschauer und entsprechen nicht unbedingt den Ansichten der Musicalzentrale.


5 Zuschauer haben eine Wertung abgegeben:


Große Wirkung mit wenig Aufwand

20.05.2009 - Das ist eines von diesen Musicals, die nicht viel Aufwand brauchen, aber das, was sie bieten, ist vom feinsten. Die Umsetzung dieses doch etwas sperrigen Themas ist erfrischend und witzig. Die Darsteller waren überzeugend und engagiert, jeder für sich mit einer ganz eigenen Stimme und als ganz eigener Typ. Die frische und oft originelle Choreografie meisterten sie auf der recht schrägen Bühne scheinbar mühelos. Die Songs trafen die Stimmung der jeweiligen Figuren genau, von traurig-melancholisch bis witzig war alles dabei. Gerne hätte ich eine Aufnahme davon mit nach Hause genommen.
War ich vor dem Besuch des Stückes schon froh, die letzten Karten für die Derniere ergattert zu haben, kann ich jetzt danach nur sagen: Echt Glück gehabt, ich hätte sonst wirklich was verpasst! Es ist nur zu hoffen, dass dieses Musical seinen Weg auf noch viele Bühnen finden wird.

adolar (2 Bewertungen, ∅ 3.5 Sterne)


Endlich wieder ein Musical, das die Bezeichnung verdient!

12.05.2009 - Also, was die Jungen Leute da auf die Bühne der Neuköllner Oper bringen, ist einfach faszinierend. Peter Lund hat dieses sehr ernste Thema, perfekt in Szene gesetzt und Wolfang Böhmers Musik ist eine wunderbare Mischung aus Rock, Musical und Choralgesänge ( auch wenn man viele Melodien irgendwie schon mal gehört hat ).
Das Ensemble ist in jeglicher Hinsicht profesionell: akrobatische Choreo, berührendes Schauspiel und toller vielseitiger Gesang.
Wenn Studenten so ein tolles Stück auf die Bühne bringen können ( man siehe auch "Erwin Kannes" und "Kauf Dir ein Kind" ), dann sollte man sich bei den Großen auf dem Markt fragen, ob man nicht langsam auf Compilation Shows oder aufgekochte Filme verzichtet und wieder neue Themen bringt!
Gratulation dem gesamten Team der Neuköllner Oper!

Marko Prada (11 Bewertungen, ∅ 3.1 Sterne)


Tolle Ideen, unklares Ziel

05.05.2009 - Was ich an den Peter-Lund-Musicals mag, ist der geradezu verschwenderische Einsatz von originellen und witzigen Ideen und Charakteren. Auch dieses Stück steht kreativ weit über dem, was auf den meisten anderen Musicalbühnen serviert wird. Kleiner Wermutstropfen: Wer "Held Müller" oder "Elternabend" gesehen hat, der ist verwöhnt und weiß, dass solche Gegenwartsstücke auch emotional sehr bewegend sein könnten. Den Vergleich hält "Leben ohne Chris" nicht stand. Dazu fehlt dem Musical die Richtung. Lund und Böhmer montieren mehrere Zeitebenen aneinander (hat mich von der Form an "Tod eines Handlungsreisenden" erinnert), doch dadurch kommt die Story kaum voran. Es gibt kein Finale, keine Botschaft, auf die die Handlung zulaufen würde.
Deswegen bleibt das Musical gefühlt ein Stück weit Revue. Aber eine wirklich unterhaltsame Revue, in der alle zehn Absolventen voll gefordert sind - und zeigen können, wo ihre Stärken liegen. Ein toller Jahrgang, der (UdK-typisch) vor allem im Bereich Bewegung/Tanz atemberaubend gut ist. Und ein originelles und starkes Abschlussprojekt.

Robin Jantos (8 Bewertungen, ∅ 3.7 Sterne)


Einfach toll!

18.04.2009 - Hier stimmt alles. Gute Musik, intelligente, witzige Texte und vor allem Darsteller, die vor Spielfreude nur so strahlen. Den jungen Leuten gelingt es in jeder Szene authentisch zu sein und "ihren" Charakter überzeugend darzustellen. Gut gefallen hat mir, dass alle Darsteller die Gelegenheit hatten sich in einem Solo oder Duett zu präsentieren. Gesanglich fand ich alle toll, leider war bei einigen Passagen die Band einen Tick zu laut, sodass die Gesangsstimme nicht ganz deutlich zur Geltung kam. Super die Ensembleszenen, hier besonders der Übergang vom Choralgesang der Beerdigung zum "Happy Birthday" der Rückblende. In den Choreographien konnten besonders die Herren glänzen, die Damen fand ich in diesen Szenen etwas blass. Besonders gefallen haben mir auch die Duette Henner/Chris und Henner/Denis, letzteres einfach super komisch (Prost!). Es bleibt zu hoffen, dass dieses Stück noch öfter gezeigt wird, für die Schublade ist es einfach zu schade.

Charlotte (31 Bewertungen, ∅ 3.5 Sterne)


Sehr bewegend

15.04.2009 - Wie immer hat Peter Lund zusammen mit dem Abschlussjahrgang der UDK ein sehr gutes Musical entwickelt.
Mich hat es besonders in Nachhinein bewegt.
Die Idee, dem toten Chris die Begleiter in seinem Leben zu zeigen, ist sehr gut. Vor allem der Effekt, dass Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft vermischt werden, ist genial.
Die Choregrafie ist sehr akrobatisch (Hut ab vor den jungen Künstlern), die Musik geht gut ins Ohr.
Die Neuköllner Oper ist und bleibt das innovativste Musicalhaus in dr Republik. Gut, das wir sie haben...

Hardy (28 Bewertungen, ∅ 3.8 Sterne)


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