 |
 Drama

Der Glöckner von Notre Dame

Eine Frau zwischen vier Männern

 |
 |
| Bild: Veranstalter |
|
Finster wie das Mittelalter ist diese Musical-Adaption des bekannten Stoffes über die unglückliche Liebe des missgebildeten Glöckners zur lebenslustigen Zigeunerin mit Herz. (Text: Kai Wulfes)
 Premiere: 17.07.2009 Rezensierte Vorstellung: 08.03.2010 „Asyl, Asyl“ stöhnt Quasimodo und bringt Esmeralda, die er gerade vor dem Tod am Strick bewahrt hat, ins Innere von Notre Dame. Den Zuschauern gewährt niemand Zuflucht. Dabei ist gerade der am Rande der Bedeutungslosigkeit vorbeischrammende Musikbrei von Ch. de Lellis und P. Langer zum Fürchten. Belanglose Balladen ohne melodiösen Wiedererkennungsfaktor (wie Esmeraldas „Mut und Hoffnung“) und schnörkellose Uptempo-Nummern (Clopins „König der Zigeuner“) plätschern vor sich hin, und wenn die Zigeuner nach Esmeraldas Hochzeit tanzen, wummern Latino-Rhythmen aus den Boxen. Die Musik klingt nach Resteverwertung und bemüht sich nur ansatzweise überhaupt zur erzählten Geschichte zu passen. Einzig die finale Hymne „Das Geheimnis der Notre Dame“ überzeugt, leidet allerdings wie der gesamte Abend unter der schlecht ausgesteuerten Tonanlage. Die Synthie-Begleitung aus der Konserve überdeckt mit Bässen und Pseudo-Bombastsound die Gesangsstimmen, tiefe Töne verschwinden, sodass auch die Textverständlichkeit zu wünschen übrig lässt. Wer im vor Rechtschreibfehlern nur so strotzenden Programmheft die Liedtexte (Rene Arh und Karin Königsberger) nachliest, der ist froh, Reime wie „Die Einsamkeit, zerreisst dein armes Herz. Das Alleine sein, ist dein wahrer Schmerz“ nicht verstanden zu haben.
 Die musikalische Leiterin Eva Karner ist gemeinsam mit Christian Böhm, der sich in der Rolle des Gringoire über die Bühne blödelt, auch für Buch und Inszenierung verantwortlich. Das Duo setzt den Plot solide in Szene, mehr aber auch nicht. Die Figuren wirken schablonenhaft und austauschbar, lediglich Quasimodo und sein Ziehvater Frollo sind genauer gezeichnet: Der Glöckner ist eine geschundene Kreatur, der bigotte Pater durch und durch ein Fiesling. Das ist gut in solistischen Szenen, in Dialogen mit anderen Akteuren finden jedoch kaum berührende Interaktionen statt. Auch wegen streckenweise sehr kurzer, blitzlichtartiger Spielszenen entsteht der Eindruck, dass die Figuren nur wenig Interesse aneinander haben.
 Ein Lichtblick ist die Ausstattung. Ulrich Puchsteins Kostümbild huldigt dem Mittelalter, Thomas Barabas dekoriert die Bühne mit verschnörkelten Fassaden und einem kleinen Glockturm auf der rechten Seite, auf einer rückwärtigen Projektionsfläche wird Handlungsort illustriert (Videodesign: Stefan Roser). Überflüssig sind allerdings die LED-Säulen, die uninspiriert auf der Bühne verteilt sind und ohne ein erkennbares Konzept ab und zu in verschiedenen Farben aufleuchten (Lichtdesign: Manfred Nikitser). Unklar ist auch, wer für die spannungslosen und wie für andere Musik erdacht wirkendenden Choreografien verantwortlich ist. Das Programmheft nennt Nataliya Kushnirenko, der Veranstalter schwärmt auf seiner Homepage und in der Werbung von „herausragenden Tanzszenen“ von Arthur Kolmakov vom Bolschoi Ballett.
 In der Titelrolle kann Gerhard Kuppelwieser vor allem darstellerisch punkten. Sein Solo „Frei sein wie der Wind“ gestaltet er anrührend, allerdings klingt der Bariton hohl und gepresst. Marc Lamberty ist ein eitler Phoebus, der gemeinsam mit Stephanie Marin (Esmeralda) eines der besseren Duette der Partitur („Niemals lass ich dich allein“) singen darf. Beide Stimmen harmonieren gut miteinander und erreichen auch höhere Lagen. Hier haben Stefan Vinzberg (Frollo) und Theresia Birngruber (Esmeraldas Mutter) in ihren Soli im ersten Akt unüberhörbare Probleme. Vinzberg schreit das Ende von „Die Maske“ einfach nur heraus, Birngruber kämpft registerwechselgeplagt tapfer um das Erreichen jedes Spitzentons. Im Duett mit ihrer Tochter im zweiten Akt relativiert sie allerdings die schlechte Leistung.
 Bleibt zu hoffen, dass nach der Tournee dieser Glöckner seine Ruhe findet und das Publikum von einer weiteren Aufführungsserie verschont bleibt.





 Musical von Ch. de Lellis und P. Langer nach dem Roman von Victor Hugo

 Kreativ-Team
 Buch und Regie: Eva Karner und Christian Böhm
 Liedertexte: Rene Arh und Karin Königsberger
 Choreografie: Nataliya Kushnirenko
 Musikalische Leitung: Eva Karner
 Maske und Kostüme: Ulrich Puchstein
 Bühnenbild: Thomas Barabas
 Video Design: Stefan Rosner

 Besetzung
 Esmeralda - Monika-Julia Dehnert/Stephanie Marin
 Esmeraldas Mutter - Diane Lübbert/Theresia Birngruber
 Frollo - Stefan Vinzberg/Tom Tucker
 Phoebus - Marc Lamberty/Christopher Buchman
 Gringoire - Christian Böhm/Thomas Reisinger
 Quasimodo - Gerhard Kuppelwieser/Nikolaus Stich
 (Text: kw)

 Zuschauer-Rezensionen: Die hier wiedergegebenen Bewertungen sind Meinungen einzelner Zuschauer und entsprechen nicht unbedingt den Ansichten der Musicalzentrale.  3 Zuschauer haben eine Wertung abgegeben:

   
Schlimm....
23.03.2010 - ...was ich in Hannover miterleben musste. Grausame Tonregie, schweigende Tanznummern, eintönige Musik, Schwaches Licht, teilweise viel zu spät..die Darsteller standen zeitweise "ohne Kopf" da, dann wurden die Solisten übertönt von der Musik vom Band ode rbei Duetten von der Stimme des Partners...es war bitter. Zwei Reihen vor mir saß ein bekannter Redakteur eines Musicalmagazins..so oft wie der den Kopf geschüttelt hat muss das einen objektiven Artikel geben... In der Pause sind bestimmt 50 Besucher gegangen...und das zu Preisen bis 70 Euro. Billigste Karte 55 Euro. In der ersten reihe saßen leute, die 70 Euro gezahlt hatten, direkt vor den Verstärkerboxen ganz rechts außen, die haben in der Pause mächtig Dampf abgelassen. Nicht zu empfehlen!
 NordlichtHB (7 Bewertungen, ∅ 2.9 Sterne)    
Ich habe nie was schlechteres gesehen/gehört
19.03.2010 - Ich war am 17.3 im Theater am Marientor in Duisburg um mir diese Inszenierung anzusehen. Da ich vorher Kritiken gelesen hatte, war ich schon auf vieles gefasst, aber trotz allem war ich einfach fassungslos was sich mir da bot. Unglaublich schlechte Musik, mit noch schlechteren Liedtexten, die vor Dramatik, Schmalz und falscher Grammatik nur so trieften, furchtbare Dialoge und zudem noch eine total löchrige Story mit teilweise nicht nachvollziehbaren Charakteren. Ich musste unwillkürlich lachen so absurd war das Ganze. Das Eintrittsgeld ist eine bodenlose Frechheit, für das was einem dort geboten wurde. Zu den Darstellern muss ich verteidigenderweise sagen, das ein paar gute Stimmen dabei waren, um diese tat es mit leid, in solch einer Produktion zu stecken ist sicher keine Freude....Fazit: Bitte nicht reingehen, es lohnt das Geld nicht, und man ärgert sich nur....
 Sarah E. (erste Bewertung)    
Geht es noch schlechter?
16.03.2010 - Ich habe sicher schon vieles erlebt in Sachen Musicals. Wunderschönes und nicht so Gutes. Aber diese Inszenierung des Glöckners von Notre Dame war wirklich das schlechteste überhaupt. Billiges Equipment - schlechte Schauspieler - mittelmässige Stimmen und Lieder auf einer Witzbühne - eine Schüleraufführung bringt es sicher besser ! - dagegen stand lediglich ein wahnsinns Eintrittspreis.
Wir sind nach einer halben Stunde gegangen.
Mein Fazit: Spart euch das Geld - es ist echt rausgeschmissen.
Mein
 Bavarianangel (erste Bewertung)
Bitte melden Sie sich an, wenn Sie einen Leserkommentar abgeben wollen. Neu registrieren | Logon Details können Sie hier nachlesen: Leserkommentare - das ist neu |
 |

|
 |
Leider keine aktuellen Aufführungstermine. |
 |
 |