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Biografie

Zarah siebenundvierzig

Wie einsam ist ein Star?

Zarah siebenundvierzig Foto: Elke Günzler
 Bild: Elke Günzler
Wenn Männer auf Musical-Bühnen Frauen verkörpern, dann steht nicht zwangläufig der klamottige Narrenkäfig auf dem Spielplan. Alexander Katt inszeniert Zarah Leanders eigene Sichtweise auf ihre Karriere in Nazi-Deutschland als bitterböse Komödie mit einem mit der Titelfigur verschmelzenden Hauptdarsteller.
(Text: Kai Wulfes)

Rezensierte Vorstellung: 15.03.2010
 
Nur das Kratzgeräusch der Messerklinge, die die Schale von den Kartoffeln schabt, ist schwach zu vernehmen. "Diese Ruhe!", seufzt die Frau mit Haarnetz und Morgenmantel. "Diese Ruhe!". Wer als umschwärmter Filmstar Trubel gewohnt ist, der fühlt sich auf dem Lande einsam. Erst recht, wenn ein runder Geburtstag ansteht. Doch zu Zarah Leanders Vierzigstem erscheinen 1947 weder Gratulanten, noch bringt der Postbote Glückwunschkarten. Auch das Telefon bleibt stumm. "Diese Ruhe!".

Autor Peter Lund lässt die ehemalige UFA-Filmdiva nach dem Rückzug auf ihr schwedisches Landgut Lönö an ihrem Ehrentag Rückschau auf ihr Leben halten. Mit ihrem Schicksal als in die Einöde Verbannte hadernd, blickt Zarah verblendet durch eine rosarote Brille und plaudert über ihre Karriere in Nazi-Deutschland. Schließlich habe sie Hitler, "eine brüllende Stimme aus dem Radio", nur einmal gesehen und ihm gesagt, dass er "mal was mit seinen Haaren machen" müsse. Zwischen Originalzitate aus Leanders Biografie montiert Lund ihre großen Hits wie "Kann denn Liebe Sünde sein?", "Eine Frau wird erst schön durch die Liebe" oder "Davon geht die Welt nicht unter".

Dank der boshaft-bitteren Vorlage und wegen der einfühlsamen Regie von Alexander Katt verkommt das Stück nicht zu einer Best-of-Revue mit Leander-Hits zum Mitsummen. Katt hebt die Diva nicht verklärt auf einen Sockel. Vielmehr unterstreicht er mit Pausen, kleinen Gesten und dezent wechselnder Ausleuchtung die Einsamkeit und die Enttäuschung einer verhärmt wirkenden Frau in den besten Jahren. Wenn NS-Propaganda-Minister Joseph Goebbels aus dem Off schnarrt, dass er die Leander zu "kompakt" finde und ihre Stimme als "zu tief" charakterisiert, dann zuckt die Kritisierte wie ein getroffenes Tier zusammen. T. C. Jakob als Zarah hat hier seine stärksten Momente, indem er geradezu mit der von ihm verkörperten Diva zu verschmelzen scheint. In einem Moment ist Jakob eine zutiefst gekränkte Frau, um dann in der nächsten Szene kämpferisch als mondänes Vollweib die kleine Bühne zu beherrschen. Mit seinem sonoren Bass, einem rollenden R und dem stark betonten N kommt er in Gesang und Sprache dem Original sehr nah. Probleme hat Jakob allerdings mit höheren Tönen, die er nur zaghaft ansingt.

In den vielen Songs, von denen einige nur kurz erklingen, ist der im linken Bühnenhintergrund platzierte Volker Sondershausen am E-Piano nicht nur ein aufmerksamer Begleiter, sondern auch Chorstimme und Stichwortgeber. Zarahs geschmackvolle Roben (Kostüme: Ingrid Buhrmann) und das mit wenigen Möbeln und gezeichneten Palmen-Hängern charakterisierte Wintergarten-Wohnzimmer (Bühne: Alexander Katt) verstärken den positiven Gesamteindruck dieser kleinen, aber feinen Produktion.



Musicalsolo über die Leander von Peter Lund

Inszenierung: Alexander Katt

Musikalische Leitung: Volker Sondershausen

Zarah Leander - T. C. Jakob

(Text: kw)

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News: PdW: Zarah siebenundvzierzig (15.03.2010)

Zuschauer-Rezensionen:

Die hier wiedergegebenen Bewertungen sind Meinungen einzelner Zuschauer und entsprechen nicht unbedingt den Ansichten der Musicalzentrale.


3 Zuschauer haben eine Wertung abgegeben:

Beeindruckend

09.04.2010 - Ich hatte keine hohen Erwartungen - und wurde begeistert. Nach wenigen Minuten hat man vergessen, dass ein Mann die Diva spielt. Es wird glücklicherweise auch kein Klamauk gegeben.
Dazu ein richtig niedliches und plüschiges Theater voller "älterer" Schwuler.
Schön, dass die Produktion angenommen wird. Wir brauchen mehr solch kreative Macher.
In Berlin geht da zu Zeit einiges...

Hardy (28 Bewertungen, ∅ 3.8 Sterne)

Toll! schoener Abend!

17.03.2010 - ... einfach toll, die Zarah am Otontheater! Toller Abend, tolle Besetzung, gutes Stück, wirklich gut gemacht!

THOMAS W. (erste Bewertung)

Klein, aber fein ! Sehr fein !

16.03.2010 - Meine Reise nach Berlin führte mich nicht nur in die Filmmuseen in Berlin und Potsdam -Babelsberg, sondern auch in ein kleines, neueröffnetes Berliner Hinterhoftheater, das mich im ersten Moment mit seinem Charme verzauberte.

Seine zirka 80 Plätze sind aufsteigend angeordnet, vorne Sessel, weiter hinten gepolsterte Stühle, abwechselnd mit Armlehnen. Der Foyerservice war wunderbar, die Getränkepreise mehr als akzeptabel.

Dann ging der Vorhang auf und auf den 4x6 qm Bühne war ein Wohnzimmerchen gezaubert, in das die vormals weltberühmte, seit vier Jahren ausschließlich als Gutshofs- Betreiberin tätige Zarah Leander in Pantoffeln hereingeschlurft kam und erst mal Kartoffeln für ihr Geburtstags- Mittagessen schälte, bevor sie die Lockenwickler herausnahm und sich schließlich auch in Schale warf -- ohne daß aber auch nur ein einziger Gast zu Besuch kommt, vom Geist des guten Heinrich George mal abgesehen...

T.C. Jakob zeigt eine Frau, die 48 Monate lang keine Hungerkuren mehr machen mußte und im Gegensatz zu den meisten ihrer Zeitgenossen frische Milch, gute Butter und fetten Hering im Überfluß hatte, aber an eins zugrundegeht: Dem Fehlen jeglicher Engagements.

Unter der musikalischen Leitung des perfekten Liedbegleiters Volker Sondershausen und stimmlich nahe an Leanders Kontraalt, ist dieser Mann in zwei einfachen, aber alles aussagenden Kleidern eine herrliche Variante, ohne plumpe Travestie abzuliefern.

Peter Lunds Text ist prächtig, voller zielsicherer Pointen und Abgründe; und diese Leander, die im ersten Teil noch als komische Alte für den einen oder anderen Lacher sorgt, geht gegen Ende der Inszenierung von Alexander Katt in ungeahnte Tiefen, daß meine Sitznachbarin ergriffen seufzte und sich ein Tränchen wegwischen mußte, bevor wir alle in tosenden Applaus ausbrachen,als das Licht wieder anging.

Ein lohnenswerter Abend, mit sparsamsten Mitteln effektvoll erstellt. Meine Reise nach Berlin hat sich voll gelohnt. Danke dem Theater O-Tonart, dem ich viele Besucher in den nächsten Tagen wünsche!

Bernd

kulturbeutel (erste Bewertung)

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(Kai Wulfes)
Kurzbewertung

Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Wo bleiben die Gratulanten? Ein wandlungsfähiger T. C. Jakob verschmilzt mit seiner Rolle als mit dem Leben hadernde Diva, die sich als Opfer einer Verleumdungskampagne sieht.

Do 21.10 19:30

Fr 22.10 19:30

Sa 23.10 19:30

So 24.10 19:30

Do 11.11 19:30

Fr 12.11 19:30

Sa 13.11 19:30

So 14.11 19:30




© musicalzentrale 2010. Alle Angaben ohne Gewähr.

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