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Revue

Yma - zu schön, um wahr zu sein

Hässlich ist out

Yma - zu schön, um wahr zu sein Foto: Stephan Gustavus
 Bild: Stephan Gustavus
Urbanes Hightech-Spektakel, in dem schöne Körper zur Schau gestellt werden, dem gleichzeitig aber Geschichte, Witz, Seele und eine vernünftige musikalische Umsetzung fehlen.
(Text: Kai Wulfes)

Premiere: 02.09.2010
Rezensierte Vorstellung: 01.09.2010
 
Aufklärung gibt es erst am Schluss. In einer verspiegelten Kugel einschwebend, outet sich Gastgeberin Yma als "prosexuell". Prosexuell? "Ich probiere alles mal aus. Alice im Durcheinander", haucht die langbeinige Schöne. Es ist erschreckend, dass Jürgen Nass und Roland Welke (Showkonzept und Libretto) keine zündendere Begründung für den Dreh- und Angelpunkt ihrer Show, einen Mann in der perfekten Maske einer Frau durch eine Revue führen zu lassen, gefunden haben.

Andererseits passt dies perfekt zu ihrem Buch, das zum Fürchten schlecht ist. Ansätze für eine Geschichte sucht der Zuschauer ebenso vergeblich wie Spannungsbögen. Zwischen beliebig miteinander austauschbaren Revue-Bildern plaudert sich Yma durch die als Reise durch ihre Welt angekündigte Show. Ihre Moderationen auf Büttenreden-Niveau strotzen nur so vor Plattitüden ("Männer können Triebwerke reparieren. Aber eine Frau verstehen?"), Kaffeekränzchen-Erkenntnissen ("Sex mit Männern lenkt doch nur von den wichtigen Dingen im Leben ab") oder dümmlichen Tipps wie "Sag einem Mann, dass du ihn hasst und du hast den besten Sex deines Lebens". Nichtdeutschsprachige Zuschauer, die der Friedrichstadtpalast vor Vorstellungsbeginn in fünf Fremdsprachen begrüßt, können froh sein, solche Texte nicht verstehen zu müssen.

Dafür gibt es aber Einiges zu sehen. Dem Revue-Untertitel "Zu schön, um wahr zu sein" folgend, lassen Nass (auch Regie) und Welke ihre Schöpfung Yma durch einen erotischen Kosmos der perfekten Körper spazieren. Hier strippen fitnessgestählte Adonisse zu James Browns "Sex Machine", um sich dann hinter Milchglasscheiben hüftkreisend dem von der Decke herabsprühenden Duschstrahl hinzugeben. In anderen Szenen catchen Bikinischönheiten auf der gefluteten Spielfläche oder eine sich auf einem überdimensionalen Lotterbett räkelnde Blondine wird von aus dem Möbel kriechenden Muskelmännern streichelnd umworben. Dem Körperkult wird auch in drei sehr sehenswerten Artistiknummern gehuldigt, so zum Beispiel in dem furiosen Luft-Pas-de-deux von "The Flight of Passion". Michael Michalskys atemberaubende Haute-Couture-Kreationen für die Show sind kleidsam, sexy und echte Hingucker.

Eingebettet ist Ymas sinnliche Welt in wirre Bilder, die der Circus of Now (Stage Design & Visual Design) zu verantworten hat. Das riesige, fahle Computergesicht, das über der Bühne hängend die Zuschauer angafft, darf zumindest das Handy- und Fotografierverbot ansagen, wird aber nicht in die Show integriert. Auf der meist leeren Bühne überfluten sechs fahrbare LED-Wände das Geschehen mit grafischen Mustern oder animierten Darstellungen, wie zum Beispiel einem Blick durch ein goldenes Bullauge in eine wie tot wirkende Unterwasserwelt. Wenn dann ab und zu auch die Decke und die Rückwände des Zuschauerraumes einbezogen werden, dann verwandelt sich der Friedrichstadtpalast in einen riesigen, stylischen Club.

In dieses Ambiente passen die harten elektronischen Beats des Produzenten- und DJ-Teams "Tiefschwarz", zu denen Martin Wingerath (Musikredaktion) neben eigenen Kompositionen auch Hits von Diana Ross ("Muscles"), Pink ("Get the Party Started") DeBarge ("Rythm of the Night") oder Marianne Rosenberg ("Marleen") gesellt. Der nach einer personellen Abspeckkur in "Show-Band" umbenannte Klangkörper des Friedrichstadtpalastes (Musikalische Leitung: Daniel Behrens) begleitet diesen eigenwilligen Musikmix, wobei die bisherige musikalische Brillanz des Hauses dem Synthie-Mainstream nebst wummernden Drumcomputern geopfert worden ist. Wer nicht im mittleren Bereich des Hauses sitzt, erlebt das Sounddesign (Gerd Drücker) zudem als hohlen Tonbrei.

Ganz im Zentrum der Show steht das hauseigene Ballett. Dabei gehen die Tänzerinnen und Tänzer nicht nur ihrer eigentlichen Profession nach. Dank einer artistischen Zusatzausbildung (Rosiris Garrido) gleiten einige der Damen im Spagat an Ringen oder Tüchern hängend elegant durch die Luft. Ganz so perfekt sind die tänzerischen Leistungen nicht immer, es hapert häufig an der synchronen Ausführung der Schritte und Bewegungen. Die Truppe wird wie schon oft gesehen auch in "Yma" wieder hauptsächlich im illustrierenden Showtanz eingesetzt, wobei das In-die-Hände-Geklatsche von der Hilflosigkeit des Choreografenteams zeugt. Wird die Truppe jedoch innovativ gefordert, dann entstehen wie beim Pas de Trois mit einer zwischen zwei Partnern hin- und herschwebenden Tänzerin grandiose Bilder. Gleiches gilt auch für die elektrisierende Stepp-Nummer der Herren auf aus den Boden schnellenden Podesten und die runde Girl-Reihe mit feuchtem Finale.

Eine echte Enttäuschung sind die Gesangsleistungen in der Show. Die beiden Solistinnen Anja Krabbe und Meike Jürgens sind gute Chorsängerinnen, mehr aber auch nicht. Den beiden farblosen Stimmen fehlen Charisma und Durchsetzungskraft. Gesanglich ausdrucksvoller und lebendiger als seine Kolleginnen ist Koffi Missah, dessen Travestie-Auftritt als Ymas beste Freundin Marleen jedoch an Peinlichkeit kaum zu unterbieten ist. Andreas Renee Swoboda in der Titelrolle ist optisch die attraktivste singende Frau auf der Bühne, doch stimmlich gehört auch er zur zweiten Garde. Neben hörbaren Registerwechseln stört auch die matte Kopfstimme in den Höhen. Im finalen Shirley-Bassey-Song "This is my Life" scheitert der Sänger an fehlender Stimm-Substanz.

Vor Beginn der Medien-Premiere von "Yma" reiht der Intendant des Friedrichstadtpalasts, Dr. Berndt Schmidt, die Revue in seiner Begrüßungsansprache unter die Top-Five-Shows in Las Vegas ein. Bleibt zu hoffen, dass das Niveau dort weitaus höher ist als in dieser Produktion, die mühevoll versucht, Elemente aus dem Pariser Lido, dem Cirque du Soleil und der letzten Friedrichstadtpalast-Show "Qi" in einem Abend zu vereinen.



Kreativ-Team

Showkonzept und Libretto: Jürgen Nass, Roland Welke

Inszenierung: Jürgen Nass

Musikalische Leitung: Daniel Behrens/Detlef Klemm

Musikredaktion: Martin Wingerath

Show Couture Designer: Michael Michalsky

Stage Design, Visual Design: Circus of Now

Choreografie: Anastasia Chaykovskaya, Sean Cheesman, Maik Damboldt, Alexandra Georgieva, Craig Revel Horwood, Tatjana Ostroverkh, Ronald Savkovic, Aliaksei Uvarov

Artistik-Training und -Choreografie: Rosiris Garrido

Bühnenbild: Aleksej Schön, Thomas Nicolai, Anke Falkenberg, Marcel Fiedler, Martin Gräff, Jens Graube, Peter Lay



Darsteller

Yma - Andreas Swoboda/Jörn-Felix Alt

Gesangssolistinnen - Anja Krabbe, Meike Jürgens

Gesangssolist - Koffi Missah



Artistik

Bungee-, Tuch-, Trampolin-, Feuerartistik: U-Show Team

Equilibristik "Ambassador": Andrey Katkov

Strapaten: The Flight of Passion

Break Dance: Flying Steps



Ballett des FriedrichstadtPalastes

Show-Band des FriedrichstadtPalastes

(Text: kw)

Zuschauer-Rezensionen:

Die hier wiedergegebenen Bewertungen sind Meinungen einzelner Zuschauer und entsprechen nicht unbedingt den Ansichten der Musicalzentrale.


4 Zuschauer haben eine Wertung abgegeben:

zu SCHADE um wahr zu sein

06.09.2010 - Vergleiche mit Qi, Las Vegas Shows oder dem Cirque du Soleil kann Yma nicht stand halten. Dieser Brei, nicht nur akkustisch, sondern auch auf der bühne grenzt an eine folter die sich auch bei der nicht vorhandenen Beinfreiheit fortsetzt. Der musikalische Brei von Marleen, Männer (Grönemeyer) bis hin zu Pink und Shirley Bassey haben an einigen Stellen gute Arangements, leider können die 4 Sänger und Sängerinnen dort nicht mithalten. Die Soundanlage im fsp gibt das übrige dazu. in den oberen reihen kommt noch dazu eine unerträgliche hitze. Einzige Lichtblicke, neben einem faden Bühnenbild und meist lieblos aneinander gereihten tanzeinlagen, sind die akrobatiknummern die highlights setzen, leider aber zu selten.

jamie.7 (2 Bewertungen, ∅ 3 Sterne)

Berlins bestes Live Entertainment

05.09.2010 - QI und sein großer Erfolg waren keine Eintagsfliege.
Intendant Berndt Schmidt schreibt die Erfolgsgeschichte des "neuen" Friedrichstadt Palastes weiter.
YMA ist eine enorm aufwendige Revue Extravaganza, die keine Vergleiche scheuen muß und viele internationale Shows locker hinter sich läßt.
Herzstück der Show ist das grandios tanzende Ensemble des FSP. Ich kenne keine Revue in Paris oder Las Vegas, die derart anspruchsvolle und vielseitige Choreographien bietet. Ein ganz großes Kompliment an die fantastischen Tänzer auf der Bühne.
Artistik auf Weltklasseniveau, Michalskys extravagante Kostümkreationen,
aufwendigste Bühnentechnik, souveräne Gesangssolisten, prickelnde Erotik (noch nie gab es soviel nackte Haut auf der Bühne des FSP), Jürgen Nass rasante Inszenierung und Andreas Renee Swoboda als flirrend faszinierende/r Hauptdarsteller/in machen YMA in jeder Hinsicht sehenswert und zu einem großen Vergnügen.

kevin (16 Bewertungen, ∅ 3.3 Sterne)

Zu schön um wahr zu sein

04.09.2010 - YMA ist der folge richtige Schritt nach Qi und es ist mal wieder genial.
YMA ist als Person schon ein Besuch dieser Show wert, ansonsten glänzt dieser Showtornado mit 4 sehr guten Sängern, dem gewohnt genialen Ballett, neuen Musikkompositionen und Arrangements bekannter Titel (einige haben echt gewonnen), weltklasse Artistik bei der man zwischen Gänsehaut Momentan und hoch schnellendem Puls wechselt und einer Bühnentechnik die ihresgleichen sucht.
Mit dem Untertitel zu schön um wahr zu sein verspricht der Friedrichstadtpalast nicht zu viel.

premierengast (erste Bewertung)

Las Vegas liegt nicht ....

03.09.2010 - an der Friedrichstraße!
Yma ist nicht die Revue der Superlative, nein Sie ist ein biliger Abklatsch von Qui! Die Highlights kann ich an 3 Fingern abzählen!
Die Musik-Arregements wie
"What Kind Of Fool"/ Barbara Streisand und Barry Gibb, oder "This Is y Life" von Shirley Bassey
sind kaum wiederzuerkennen!
Fazit: Schöne Männer, Schöne Frauen, Schöne Kostüme! ...
reichen nicht für eine Las Vegas an der Friedrichstraße!

Le Cuisinier (10 Bewertungen, ∅ 3.2 Sterne)

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Friedrichstadtpalast
D-10117 Berlin
Friedrichstraße 107
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Online-Tickets
oder Telefon
04131 / 6972-200
Tägl. Mo-So 07:30 - 23:00
So fand ich die Show:
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(kw)
Kurzbewertung

Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Abstieg aus dem Show-Olymp in eine getanzte Hautecouture-Modenschau im seelenlosen Hightech-Video-Bühnenbild. Drumcomputer und Synthie-Arrangements überwummern fragwürdige gesangliche Leistungen.

Fr 10.09 19:30

Sa 11.09 15:30

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