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Komödie

Kinky Boots

Wenn High Heels das Leben verändern


© Matt Crocket
© Matt Crocket
Drag Queens, Musik von 80er-Jahre-Popstar Cyndi Lauper und eine Geschichte über Schuhe (die ja laut Auftaktsong "das Schönste auf der Welt" sind). Was auf den ersten Blick wie oberflächliches Entertainment klingt, entpuppt sich als Gute-Laune-Musical mit Tiefgang. Eine überzeugende West-End-Premiere.

(Text: Claudia Leonhardt)

Premiere:15.09.2015


2013 konnte "Kinky Boots" den Broadway im Sturm erobern und hat es dort seitdem auf über 1.000 Vorstellungen gebracht. Kurios am Erfolg über den großen Teich ist, dass die Handlung auf einer echten britische Tatsachen-Geschichte aus den 1990ern beruht. Es wird also Zeit, dass diese auch in ihrem Heimatland den Weg auf die Bühne findet.
 
Es geht um Schuhe. Genauer gesagt, um eine private Schuhfabrik in Northampton, die Charlie Price von seinem überraschend verstorbenen Vater erbt. Das Familienunternehmen steht kurz vor dem Bankrott, als eine Zufallsbegegnung mit Drag Queen Lola den Denkanstoß gibt: Statt Normalo-Tretern sollen künftig Lackleder-Absatzstiefel – für männliche Kunden – produziert werden. Fetisch-Mode in der englischen Provinz – kann das gutgehen?

© Matt Crocket
© Matt Crocket

 
Die gesellschaftliche Kluft zwischen karger Industriestadt und Glitzer & Glamour der Drag-Queen-Welt spiegelt sich wunderbar im Bühnendesign (David Rockwell) und den Kostümen (Gregg Barnes) wieder. Die Fabrikhalle von Price & Son ist der Hauptschauplatz der Handlung und sieht genauso trist aus, wie sich Otto-Normal-Zuschauer, der noch nie eine Schuhfabrik von innen gesehen hat, eine solche vorstellen könnte. Mit Ausnahme von Charlies schicker Makler-Freundin Nicola legt in Northampton augenscheinlich niemand großen Wert auf Mode und Styling. Das mag alles etwas klischeebehaftet sein, sorgt aber für effektive optische Kontraste, wenn Lola und ihre entzückenden Angels aus London auftauchen und das farblose Kaff aufmischen.
 
Das Buch von US-Autor und -Schauspieler Harvey Fierstein ist ebenfalls gespickt mit Klischees, weiß diese aber auch geschickt zu unterwandern. Nur weil Simon als Lola mit High Heels und knappen Kleidern auf der Bühne performt, heißt das nicht zwangsläufig, dass er auf Männer steht. Und als Charlie den Glauben an seine Geschäftsidee verliert und Lola mit verletzenden Worten brüskiert, regt ausgerechnet der engstirnige, testosteronstrotzende Vorarbeiter Don zum Umdenken an.

Die im Grunde recht simple Story ist ein einfühlsames Plädoyer an Toleranz und Akzeptanz, dem Mut zu Neuem und das Verlassen von eingelaufenen Pfaden. Als solches ist sie heute noch genauso aktuell wie vor 20 Jahren.
 
An das Charisma ihrer mit Tony-Awards nominierten bzw. ausgezeichneten Broadway-Vorgänger Stark Sands und Billy Porter kommen Killian Donnelly und Matt Henry nicht heran. Große Angriffspunkte für Kritik bieten sie allerdings auch nicht. Donnelly gibt Charlie als einen im Grunde liebenswerten, aber etwas bieder-langweiligem Provinz-Typen ohne echte Ambitionen, der erst im Laufe des Stückes lernt, für (s)einen Traum zu kämpfen. Er singt den Part mit schöner, klarer Stimme und legt mit "Soul of a Man" eine grandiose Solo-Nummer hin, die das Publikum zu recht feiert.

 
Matt Henry zieht stimmlich alle Register und trumpft bei Up-Tempo-Nummern wie "Land of Lola" auf. Akustisches Highlight seiner Auftritte ist überraschenderweise nicht der fulminante Show-Act der Drag Queen, sondern die gefühlvoll interpretierte Ballade "Hold Me In Your Heart" – vielleicht der stärkste Song des Abends! Henrys Darstellung und Bewegungen lassen allerdings manchmal die Grazie und laszive Erotik vermissen, die Billy Porter seiner Lola verliehen hat und die man von dem Nachtclub-Star erwartet hätte.
 
Was die Charakterzeichnung betrifft, sind sowohl Charlie als auch Lola angenehm dreidimensional – keine stilisierten, perfekten Helden, sondern Typen mit Schwächen, die sie realistisch erscheinen lassen. Dasselbe kann man leider nicht von den beiden weiblichen Hauptcharakteren des Stücks behaupten. Dass Nicola (Amy Ross) als knallharte Karrierefrau mit Faible für teure Schuhe daherkommt, ist zu verzeihen – die Rolle ist ohnehin nur Beiwerk und in Hinblick auf die Geschichte eine Art 'road not taken' für Charlie. Ärgerlich dagegen, wie blass und substanzlos Amy Lennox als Lauren und die Romanze zwischen ihr und Charlie bleiben. Lauren scheint ausschließlich für Lacher gut zu sein – und das auf einem Niveau, das anfänglich vielleicht zum Schmunzeln anregt, auf Dauer aber ermüdend ist.
 

© Matt Crocket
© Matt Crocket


Dafür kann die Freundschaft zwischen Charlie und Lola mit all ihren realistischen Auf- und Abs auf emotionaler Ebene überzeugen, und die spritzigen Feindseligkeiten zwischen Lola und Don zu den Tango-Rhythmen von "What a Woman Wants" sorgen für allgemeine Erheiterung. Mit Elan und Engagement spielt sich das Orchester unter Führung von Stephen Oremus durch Cyndi Laupers stilistisch recht breit gefächerte und ausgeglichene Partitur.
 
Auch wenn "Raise You Up/Just Be" eine wunderbar groovige Abschlussnummer ist – das finale Happy End kommt ein bisschen zu schnell und unvermittelt. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass "Kinky Boots" in den vergangenen zwei Stunden so viele humorvolle, unterhaltsame und emotionale Momente bereitet hat, dass man den Theatersessel nur ungern verlassen mag.

(Text: Claudia Leonhardt)






Kreativteam

Musik / TextCyndi Lauper
BuchHarvey Fierstein
Regie / ChoreographieJerry Mitchell
BühnenbildDavid Rockwell
KostümeGregg Barnes
LichtKenneth Posner
Musikal. SupervisionStephen Oremus
SoundJohn Shivers


Besetzung

CharlieDavid Hunter
LolaMatt Henry
LaurenElena Skye
DonAlan Mehdizadeh
NicolaCordelia Farnworth
GeorgeMichael Hobbs
Young CharlieChristopher Dixon
Jakub Kopec
Charlie McLellan
George Moran
Young LolaZephan Amissah
Tyrell Russell-Matthew
Matthew Fraser-Thomas
Jeremiah Waysome
sowiePaul Ayers
James Ballanger
Emma Crossley
Jemal Felix
George Grayson
Robert Grose
Chlöe Hart
Melissa Jacques
Charlotte Jeffery
Robert Jones
Adam Lake
Suzie McAdam
Jane Milligan
Robin Mills
Catherine Millsom
Sean Needham
Jon Reynolds
Simon-Anthony Rhoden
Ben Seil
Craig Thomas
Philip Town
Dominic Tribuzio
Alan Vicary
Michael Vinsen
Jason Winter


Frühere Besetzungen? Hier klicken



Produktionsgalerie (weitere Bilder)

© Matt Crocket
© Matt Crocket
© Johan Persson
© Johan Persson

Zuschauer-Rezensionen

Die hier wiedergegebenen Bewertungen sind Meinungen einzelner Zuschauer und entsprechen nicht unbedingt den Ansichten der Musicalzentrale.


3 Zuschauer haben eine Wertung abgegeben:


Herzerwärmend, humorvoll und begeisternd

19.07.2016 - Kinky Boots hat mich komplett begeistert. Mit einer Handlung, die geschickt fröhliche und traurige Momente kombiniert; mit toller, vielfältiger Musik; mit mitreißenden Choreographien und einer Ausstattung zwischen schillerndem Showbiz und Arbeitsalltag in einer Fabrik.

Die Freundschaft zwischen Charlie und Lola ist ein starkes Plädoyer für Vielfalt und die Akzeptanz anderer. Das wird mit so viel Humor und Wärme gemacht, dass es ein richtiges Feel-Good-Stück ist, bei dem man fröhlich das Theater verlässt und noch lange die Musik im Kopf hat.

Es wundert mich nicht, dass dieses Stück bereits seit Jahren erfolgreich am Broadway läuft und auch in London ist es ein riesiger Erfolg, der Abend für Abend das Publikum begeistert.

Kinky Boots kann ich wirklich uneingeschränkt weiterempfehlen. Man wird gut unterhalten, kommt fröhlich aus dem Theater und hat vielleicht auch gelernt, nicht immer nur nach Äußerlichkeiten zu beurteilen.

MusicalJonas (3 Bewertungen, ∅ 3.7 Sterne)


Grandiose Show!

05.01.2016 - Ich habe Kinky Boots im Oktober in London gesehen und muss sagen, ich habe noch nie eine bessere Show gesehen. Diese Show macht so glücklich und bringt eine super Message rüber: Das zu sein, was man sein will und andere zu akzeptieren für das, was sie sind. Super Musik, grandiose Darsteller und tolle Kostüme, was will man mehr??
Killian Donelly hat Charlie super gespielt, seine Stimme war super klar und man hat so gut wie alles verstanden.
Matt Henry spricht manchmal etwas schnell, aber seine Art ist einfach nur sympathisch auf der Bühne und er hat eine grandiose Stimme. Eine super Lola.
Amy Lennox als Lauren war eine der Besten vom Ensemble, super Comedy und tolle Stimme, sie spielt Lauren super!
Die Angels sind der Höhepunkt der Show. Verdammt fabulous und sie können besser auf High Heels laufen als die meisten Frauen. Dazu singen sie verdammt gut und sehen einfach fantastisch aus. Besonders hervorheben möchte ich Adam Lake. Dieser Mann, bzw Darsteller stiehlt von allen die Show. Dieser Backflipp auf High Heels, das kann wohl kaum wer!
Ansonsten gefiel mir Michael Vinsen im Ensemble super gut. Er sieht echt schnuckelig aus :D Außerdem hat er eine tolle Stimme und verkörpert die Rolle vom Immobilienmakler fantastisch.
Das Enmsemble ist sehr stark in London, manche Leute meinen, das Londoner Ensemble ist um Weiten besser als das in New York.
Die Musik zudem in diesem Musical gefällt mir auch, die Lieder sind mal traurig, ernst oder auch sehr fröhlich. Land of Lola, Sex is in the heel, not my fathers son, everybody say yeah, history of wrong guys, Raise you up/just be sind definitiv die besten Lieder. Freue mich schon sehr auf die Show im Januar!

Toshos (11 Bewertungen, ∅ 3.8 Sterne)


Nicht mehr als gepflegtes Mittelmaß

22.12.2015 - Männer in Frauenkleidung gab es schon ausreichend auf Theater- und Musicalbühnen zu begutachten. Dragqueen Lola ist nur eine mehr und eigentlich würde man sie auch nicht wirklich vermissen.

Irgendwie kommt einem die Geschichte von KINKY BOOTS immer wieder recht bekannt vor.
Auch wenn das Musical auf dem gleichnamigen Film beruht, fühlte ich mich ständig an Anleihen aus CHARLEYS TANTE, SUGAR, LA CAGE oder PRISCILLA erinnert.
Dass KINKY BOOTS nicht wirklich zündet, amüsiert und bestens unterhält, liegt in erster Linie an Harvey Fiersteins wenig inspiriertem Buch. Es fehlt an Schlagfertigkeit, Tempo, Witz und kantigen, prägnant gezeichneten Figuren. Eine Zaza hatte schon vor weit mehr als dreißig Jahren mehr Schmiß und Durchschlagskraft als die geschwätzig altbackene Lola.

Die Musik der 80er Pop-Ikone Cyndi Lauper kann auch nicht viel rausreißen. Es ist weitgehend nicht mehr als nett und gefälliger Schlager-Balladen-Musical-Einheitspop, der nahezu rückstandslos an den Ohren vorbeizieht.

Das schlichte, manchmal fasst triste Einheitsbühnenbild sorgt für wenig optische Abwechslung und kann erst im Finale mit Farbe, Glitter und Glamour einlösen, was der Titel verspricht.

Regie und Choreografie werden von Jerry Mitchell professionell runtergespult.
Aber auch hier fehlt es an zündenden Ideen und Originalität.

KINKY BOOTS kann man sich anschauen und relativ kurzweilig dabei unterhalten.
Wenn man es aber nicht gesehen hat, ist es auch nicht sonderlich schlimm.

kevin (116 Bewertungen, ∅ 3.4 Sterne)


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Buch

Komposition

Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Gute-Laune-Show mit Tiefgang! Dank starker Musik und einem ausgewogenen Level von Witz und emotionalen Momenten weiß "Kinky Boots" auch am West End hervorragend zu unterhalten.

08.11.2015

 Leserbewertung
(3 Leser)


Ø 4.00 Sterne

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