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Evita (2005 - 2006)
ETO - Erzgebirgische Theater- und Orchester GmbH, Annaberg-Buchholz

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Andrew Lloyd Webbers Klassiker um den Aufstieg und den tragischen Tod der argentinischen Präsidentengattin Eva Perón in einer soliden Inszenierung, in der mit Zoltán Tombor als Ché, Jens-Eric Schulze als Perón und Martin Gebhardt als Magaldi vor allem die männlichen Darsteller glänzen. Die Interpretation der Hauptdarstellerin Edith Maria Breuer dagegen erweist sich als problematisch.

Die Darstellung von historischen Persönlichkeiten auf der Bühne ist fast immer ein Drahtseilakt zwischen Realismus und Dramaturgie – besonders dann, wenn es sich um eine so umstrittene Figur wie die argentinische Präsidentengattin Eva Perón handelt. Andrew Lloyd Webbers Musical lebt vor allem von der Balance aus Für und Wieder, aus der Faszination, die von Evita ausgeht, im fiktiven Gegenspiel mit den sarkastischen Kommentaren ihres Widersachers und Kritikers Ché.

Genau an dieser Stelle ist der Schwachpunkt der Aufführung des Eduard-von-Winterstein Theaters. Edith Maria Breuer betont fast ausschließlich die karriereorientierte, berechnende Seite der Protagonistin. Ihre Eva Perón ist in erster Linie eine Schauspielerin, für die die Weltpolitik eine Bühne und das Volk ihr Publikum ist. Echte Gefühlsregungen blitzen nur selten unter der Oberfläche durch, und selbst in diesen Momenten wirkt Evita nicht sympathisch. Historisch gesehen ist eine solche Interpretation sicherlich möglich, im Rahmen des Musicals stellt sie sich aber spätestens am Ende des Stückes als kontraproduktiv heraus, da somit der tragische Tod der (Anti-)Heldin schlichtweg nicht berührt. Auch stimmlich ist das, was Breuer bietet, eher durchwachsen. In den tiefen Passagen singt sie mit weicher, wohlklingender Stimme, in den Höhen wird sie – vor allem im ersten Akt – häufig zu schrill.

Ansonsten gibt es an Stefan Haufes Inszenierung wenig auszusetzen. Zoltán Tombor (bekannt aus “The Scarlet Pimpernel” in Halle) kann als Ché mit rebellischem Kampfgeist und deutlich zur Schau getragener Verachtung für Evitas Opportunismus durchgängig überzeugen.

Jens-Eric Schulze gibt einen charismatischen Juan Perón ab, der zwischen Souveränität und Hilflosigkeit schwankt, und leistet sich sowohl schauspielerisch als auch stimmlich keinerlei Schwächen. Auch Magaldi-Darsteller Martin Gebhardt nutzt die sonst eher undankbare Rolle zu seinem Vorteil, indem er Magaldis Schnulze “Diese Nacht ist so sternenklar” mit übermäßigem Pathos und bewusst ‘schmierigem’ Schlager-Timbre unterstreicht und damit einen starken Kontrast zu seiner angenehmen, normalen Singstimme in den restlichen Songs schafft. Als Peróns junge Geliebte gelingt es Kora Langova mit einer gefühlvollen, akzentuierten Interpretation von “Du nimmst den Koffer wieder in die Hand” die Sympathien des Publikums auf ihre Seite zu ziehen.

Tadellos ist auch die musikalische Untermalung durch das Erzgebirgische Sinfonieorchester Aue unter Leitung von Hannes Ferrand.

Bühnenbild, Kostüme und Choreographie orientieren sich stark an der Originalproduktion und den Europa-Tourneen. Das mag nicht gerade revolutionär sein, setzt aber getreu dem Motto ‘Warum etwas ändern, was gut funktioniert’ auf ein effektives, bewährtes Konzept, welches man in Annaberg auch gut umzusetzen vermag. Das heißt aber nicht, dass nicht auch eigene Ideen mit eingebunden wurden, doch diese sind eher in den Details zu suchen – wie etwa bei “Das Handwerk des Möglichen”, wo die Generäle neben dem üblichen Stühlerücken auf ausgefallenere Selektionsmechanismen wie Russisches Roulette zurückgreifen. – Ein origineller Einfall, von dessen Sorte man sich mehr gewünscht hätte.

Das Ergebnis ist eine Produktion, die zwar überzeugen, aber letztendlich zumindest auf emotionaler Ebene nicht begeistern kann.

 
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KREATIVTEAM
Musikalische LeitungHannes Ferrand
Inszenierung / ChoreographieStefan Haufe
AusstattungGudrun Müller
ChöreUwe Hanke
DramaturgieMichael Eccarius
 
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CAST (AKTUELL)
EvitaEdith Maria Breuer
ChéZoltán Tombor
Juan PerónJens-Eric Schulze
MagaldiMartin Gebhardt
Peróns GeliebteKora Langova
 
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TERMINE
keine aktuellen Termine
 
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TERMINE (HISTORY)
So, 23.10.2005 19:00ETO - Erzgebirgische Theater- und Orchester GmbH, Annaberg-BuchholzPremiere
Mi, 26.10.2005 19:30ETO - Erzgebirgische Theater- und Orchester GmbH, Annaberg-Buchholz
Sa, 29.10.2005 19:30ETO - Erzgebirgische Theater- und Orchester GmbH, Annaberg-Buchholz
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